Eigene RTK-Basis aufstellen

Fragen und Erfahrungen zur Anwendung von GPS beim Wandern, Radeln, Fliegen usw.

Moderator: Roland

Eigene RTK-Basis aufstellen

Beitragvon tomi_wunder » 06.05.2014 - 15:09

Hallo,
ich arbeite z.Zt. an meinem Projekt "Eigenbau (L1/L2) RTK-Basis". Dabei fehlen mir zwar aktuell noch Teile (Antenne etc.) aber trotzdem beschäftigen mich schon seit geraumer Zeit mehrere Fragen rund um's Thema Standort. Dazu denke ich, ist es vorab erwähnenswert, daß sich meine Rover im Umkreis von ungefähr 12km (+/-) um die Basis bewegen würden und ich mich hier in einer sehr bergigen Gegend, mit nicht sehr hohen, dafür aber vielen und einigermaßen steilen Bergen (de.wikipedia.org/wiki/Fränkische_Schweiz) lebe.

Ich befinde mich in der glücklichen Lage, auf einem "Plateau" eine Halle (49.839865 / 11.161743) zu besitzen, die andere Gebäude in der Umgebung überragt, nicht aber alle umliegenden Waldstücke. Mangels weiterer, auch nur im entferntesten geeigneter Besitztümer, habe ich mich mehr oder weniger auf diesen Standort verlegt. Allerdings gibt es damit auch ein paar Probleme und Bedenken, für die ich ganz gerne euren Rat gehört hätte:

  • Auf dem Dach der Halle befindet sich eine Photovoltaik-Anlage. Sind in vergleichbaren Zusammenhängen schonmal Probleme aufgetreten, d.h. kann die Anlage den GPS-Empfang abgesehen von Multipath-Effekten in irgendeiner Weise beeinflussen? Was die Multipath-Geschichten angeht, dachte ich, ich kaufe/baue mir eine Choke-Ring-Groundplane, oder wäre das übertrieben? Das Dach unter der Anlage besteht übrigens aus Trapezblech. Wie hoch sollte der Empfänger mindestens über dem Dach sein?
  • An der Traufseite der Halle führt mit wenigen Metern (25-30m?) Entfernung eine Hochspannungsleitung (25kV) vorbei. Die Antenne käme sinnigerweise auf die Firstseite, dennoch selbe Fragen, wie vor... ;-)
  • Die Halle ist zwar sehr massiv, aber trotzdem nur in Holzständerbauweise gebaut. Durch das Jahreszeitabhängige Quellen und Schwinden des Holzes und auch durch größere Windlasten kann es sein, daß sich die Dachfläche geringfügig, d.h. schätzungsweise max +- 3cm seitlich oder aber in der Höhe (weniger) bewegt. Wie begegnet man bei anderen festinstallierten RTK-Stationen möglichen Positionsänderungen, die ja auch z.B. durch thermisch bedingte Größenänderung anderer Baustoffe hervorgerufen werden können oder lebt man einfach damit?
  • Durch die exponierte Lage erwarte ich ein erhöhtes Risiko eines Blitzeinschlags. Zwar ist mir bewusst, daß es kaum wirklichen Schutz vor soetwas gibt, dennoch würde ich ganz gerne alle vertretbaren und praktikablen Möglichkeiten ausschöpfen um das Risiko zu minimieren. Was ist in der Praxis üblich? Überspannungsableiter zw. Antenne und Empfänger (welche?)? Mast aus nicht leitfähigem Material (was?)? Potentialtrennung für die Versorgungsspannung (konkret wie?)?

Vielen Dank vorab!
MfG
Tom
tomi_wunder
 
Beiträge: 12
Registriert: 15.09.2013 - 21:37
Wohnort: 49.822256 | 11.189301

Re: Eigene RTK-Basis aufstellen

Beitragvon tomi_wunder » 09.05.2014 - 12:01

keiner mehr da? Wurde das Forum jetzt doch geschlossen und ich hab's nicht gemerkt? :wink:
tomi_wunder
 
Beiträge: 12
Registriert: 15.09.2013 - 21:37
Wohnort: 49.822256 | 11.189301

Re: Eigene RTK-Basis aufstellen

Beitragvon Taurus » 09.05.2014 - 19:19

Nene, das Forum gibts noch :lol:
Aber momentan haben wohl alle viel zu tun!


Nun mal nach und nach zu deinen Fragen.

Also mir ist nichts bekannt das Solar-Panels irgendeinen Einfluss haben könnten (außer wie von dir schon erwähnt Multipath). Schließlich handelt es sich um Gleichstrom, damit ist kein starker Frequenzwechsel im elektromagnetischen Feld zu erwarten.
Bei der 25kV-Leitung wäre ich aber skeptischer... hier mal ein Link zur Zusammenfassung einer Diplomarbeit: http://www.ovg.at/index.php?id=1353
Da du die Basisantenne sinnvollerweise ja auch weit oben anbringen willst, bist du dann noch näher an der Hochfrequenz-Quelle... (wobei 50Hz ja nicht viel sind).
Als ersten Versuch könntest du ja mal das Verhalten eines Handheld-Empfänger auf einer freien Wiese beobachten und dann selbiges in der Nähe der Hochspannungsleitung wiederholen.

Mit der thermischen Ausbreitung hast du recht. Hab aber keine Informationen dazu wie man bislang damit umgegangen ist.
Bei einem reinen Stahl-Bauwerk würde wahrscheinlich eine einfache Temperatur-Überwachung ausreichen...
Aber um das Problem würde ich mir erst Gedanken machen wenn der Rest läuft! Noch dazu werden da nicht mehr als 4 Zentimeter Höhenänderung in Frage kommen, und das wirst du in der Genauigkeit für die Höhe wahrscheinlich eh nur selten erreichen, womit der positive Effekt eher gering ausfällt.
Und im Zweifel wäre es ja auch möglich je nach Jahreszeit für die Höhe einen Korrekturfaktor anzubringen (Antennenhöhe in der Software ändern).

Beim Risiko für den Blitzschlag kann ich dir nicht helfen.
Ausser das ein nicht-leitfähiger Mast das Problem nicht löst wenn der Blitz in die Antenne einschlägt, schließlich wird der Blitz dem leitfähigen Kabel folgen ;-)
Als erste Maßnahme würde ich die Schirmung des Antennenkabels mit dem normalen Blitzableiter verbinden... aber bei E-Technik war ich nie der Crack.

Taurus
Benutzeravatar
Taurus
 
Beiträge: 259
Registriert: 02.09.2007 - 14:36
Wohnort: Germany

Re: Eigene RTK-Basis aufstellen

Beitragvon Hagen.Felix » 11.05.2014 - 11:15

tomi_wunder hat geschrieben:...
[*] An der Traufseite der Halle führt mit wenigen Metern (25-30m?) Entfernung eine Hochspannungsleitung (25kV) vorbei. ...


Bestimmt hat Taurus damit schon den Finger in die Wunde gelegt!

Ich selbst habe zwar keine direkten Erfahrungen mit dieser Problematik und könnte theoretisch auch nur recht allgemeine Bedenken äußern, aber ich habe schon öfter davon gehört, dass GNSS-Endanwender starke Störungen in der Nähe von (Wechselstrom)-Hochspannungsleitungen erleben mussten.

Gerade im Ackerbau kommt es ja recht oft dazu, dass GNSS-Empfänger der verschiedensten Preisklassen unter bzw. neben solchen Leitungen "landen", und ich habe von etlichen Fällen gehört, dass die Positionierung dadurch nicht nur etwas schlechter, sondern geradezu unmöglich bzw. völlig unbrauchbar wurde ...
Gewerbliche Tätigkeit u.a. im Bereich GNSS (siehe https://www.optimalsystem.de/os.aspx?x=411)
Nachrichten bitte bevorzugt als klassische E-Mail (siehe https://www.optimalsystem.de/os.aspx?x=8)
Hagen.Felix
 
Beiträge: 652
Registriert: 21.12.2008 - 12:07
Wohnort: Grimma

Re: Eigene RTK-Basis aufstellen

Beitragvon benno » 12.05.2014 - 07:49

Schau Dich doch mal um nach "Huber Suhner", die habe sehr gute und relativ günstige EMV und Blitzschutz modulen.
Manchmal sogar günstig zu bekommen bei diverse Auktionshauser.

Ich hatte in der Vergangenheit ein Blitzeinschlag, hat mir denn GPS Empfänger gekostet.
benno
 
Beiträge: 23
Registriert: 18.02.2013 - 18:12

Re: Eigene RTK-Basis aufstellen

Beitragvon XPosition » 12.05.2014 - 13:51

Da gibt es doch schon ein Blitzschutz: Die Hochspannungsleitung selbst.

Dass deine Scheunenbalken sich um 3 cm verlängern ? Holz dehnt sich in der Längsrichtung kaum aus. Deine Balken sind gut geschützt...
XPosition
 
Beiträge: 214
Registriert: 25.08.2008 - 00:09


Zurück zu GPS in der Praxis

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron