DGPS für Smartphone

Fragen und Hinweise zu Software, die mit dem Thema GPS zu tun hat. Egal ob PC oder Handheld.

Moderator: Roland

DGPS für Smartphone

Beitragvon Paule » 26.03.2017 - 13:27

Hallo,
ich würde mich freuen wenn Experten (ich bin keiner) mir bei folgender Theorie unter die Arme greifen oder mir zu erklären, wo der Fehler in meiner Überlegung steckt.
Ich gehe von folgenden Gegebenheit aus:

1. Referenzstationen (z.b. https://www.wsv.de/fvt/dgps/bad_abbach/index.html) ermitteln für jeden Satelliten die aktuelle Abweichung
2. Smartphones berechnen aus den einer Anzahl x von Satelliten die aktuelle Postion den Users
3. Korrekturen können nicht durchgeführt werden durch DGPS Korrekturdaten da es keinen Zugriff auf die Daten im Smartphone gibt (Android N macht aber Hoffnung...)

und jetzt meine Idee:

4. Eine APP errechnet jede Sekunde anhand der vom GPS genutzten Satelliten und der errechneten Postion fiktive Rohdaten (reverse Engineering).
5. Daraus ergeben sich Rohdaten im Smartphone.
6. Diese korrigiert die APP mit den empfangenen Korrekturdaten der Referenzstation (unter der Berücksichtigung der genutzten Satelliten)
7. Aus den korrigierten Rohdaten wird ein neue genauere Postion errechnet

Was hab ich nicht beachtet? Wo gehe ich von falschen Voraussetzungen aus? Funktioniert Reverse Engineering wenn ich die genutzten Satelliten und die errechnete Postion kenne?

Grüße und Danke
Paul
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Re: DGPS für Smartphone

Beitragvon Geospector » 26.03.2017 - 20:04

Hallo Paule,

willkommen im Forum!

Ich würde mal sagen, dass 4. nicht möglich ist. Wie sollte das funktionieren?

Ciao,

David
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Re: DGPS für Smartphone

Beitragvon Hagen.Felix » 27.03.2017 - 09:08

Ein typisches Smartphone-SoC (System on Chip), das heutzutage zumeist von Qualcomm, Samsung oder MediaTek stammt, nutzt zur Berechnung der Position, die dann zum Location-API des Betriebssystems ausgegeben wird, üblicherweise schon diverse Datenquellen, also bei weitem nicht mehr nur GNSS allein.

Selbst wenn also ein engagierter Entwickler (und das müsste ein hochspezialisierter Experte sein, der seine Brötchen gewiss mit sehr viel sinnvolleren Aufgaben zu verdienen wüsste) den Versuch unternähme, aus Positionskoordinaten sozusagen rückwärts Pseudo-Rohdaten eines virtuellen GNSS herzuleiten, wäre dieser Versuch bereits diesbezüglich zum Scheitern verurteilt.

Aber auch die mit künftigen Android-Versionen zu erwartenden direkten Rohdaten des im Smartphone enthaltenen GNSS-Empfängers sollten in ihrem Wert nicht überschätzt werden.

Wie so oft bei GNSS-Anwendungen, liegt die Achillesferse auch hier wieder in der Antenne ... :roll:

Natürlich, man sollte wohl nie "nie" sagen. :wink:

Auch hat man vor Jahren z.B. kaum damit gerechnet, jemals mit einem so winzigen optischen System wie einer heutzutage üblichen Smartphone-Kamera überhaupt brauchbare Fotos aufnehmen zu können.

Analog zu diesem historischen Beispiel wird es also vielleicht (bzw. vermutlich sogar gewiss) auch bei Smartphone-GNSS noch etliche Fortschritte geben, die sich heute noch kaum erahnen lassen.

Andererseits zeigt das Beispiel auch, dass die jeweils zugrundeliegenden physikalischen Gegebenheiten (also Licht in Relation zu Optik, GNSS-Signale in Relation zu Antenne usw.) nicht wirklich außer Kraft gesetzt werden können ... :mrgreen:
Gewerbliche Tätigkeit u.a. im Bereich GNSS (siehe https://www.optimalsystem.de/os.aspx?x=411)
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Re: DGPS für Smartphone

Beitragvon Paule » 27.03.2017 - 12:41

Hallo Hagen Felix, vielen Dank erstmal für die Antwort


Hagen.Felix hat geschrieben:Ein typisches Smartphone-SoC (System on Chip), das heutzutage zumeist von Qualcomm, Samsung oder MediaTek stammt, nutzt zur Berechnung der Position, die dann zum Location-API des Betriebssystems ausgegeben wird, üblicherweise schon diverse Datenquellen, also bei weitem nicht mehr nur GNSS allein.

Ja, aber die kann man ausschalten (Funkzellen, Wlan)

Selbst wenn also ein engagierter Entwickler (und das müsste ein hochspezialisierter Experte sein, der seine Brötchen gewiss mit sehr viel sinnvolleren Aufgaben zu verdienen wüsste) den Versuch unternähme, aus Positionskoordinaten sozusagen rückwärts Pseudo-Rohdaten eines virtuellen GNSS herzuleiten, wäre dieser Versuch bereits diesbezüglich zum Scheitern verurteilt.

### Das Gefühl hab ich auch, aber warum eigentlich? Wenn ich weiß, dass Sat1 40km weg ist, Sat2 20km und Sat3 35km, und dann weiß, dass Sat1 sich derzeit um 2 km verschätzt und Sat3 um 5km, dann sollte ich doch meine Position korrigieren können, oder? Ich weiß, dass ich hier zu einfach denke - aber an welcher Stelle ist es komplizierter? Die Sateliten senden doch neben Meta-Daten "nur" Uhrzeiten die dann abgeglichen werden, oder?

Aber auch die mit künftigen Android-Versionen zu erwartenden direkten Rohdaten des im Smartphone enthaltenen GNSS-Empfängers sollten in ihrem Wert nicht überschätzt werden.

#### Die Hoffnung stirb nie!

Wie so oft bei GNSS-Anwendungen, liegt die Achillesferse auch hier wieder in der Antenne ... :roll:

Natürlich, man sollte wohl nie "nie" sagen. :wink:

Auch hat man vor Jahren z.B. kaum damit gerechnet, jemals mit einem so winzigen optischen System wie einer heutzutage üblichen Smartphone-Kamera überhaupt brauchbare Fotos aufnehmen zu können.

Analog zu diesem historischen Beispiel wird es also vielleicht (bzw. vermutlich sogar gewiss) auch bei Smartphone-GNSS noch etliche Fortschritte geben, die sich heute noch kaum erahnen lassen.

Andererseits zeigt das Beispiel auch, dass die jeweils zugrundeliegenden physikalischen Gegebenheiten (also Licht in Relation zu Optik, GNSS-Signale in Relation zu Antenne usw.) nicht wirklich außer Kraft gesetzt werden können ... :mrgreen:
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