Keine Wiederholgenauigkeit RTKLIB

Fragen und Erfahrungen zur Anwendung von GPS beim Wandern, Radeln, Fliegen usw.

Moderator: Roland

Keine Wiederholgenauigkeit RTKLIB

Beitragvon BRawohl » 18.06.2013 - 11:47

Hallo alle zusammen!

Falls jemand meinen letzten Thread im Kopf hat, es hat sich hier seit dem einiges getan.

Für alle anderen eine kurze Zusammenfassung der Situation:

Ich verwende einen uBlox Neo 6P mit einer Tallysman 2410 Antenne. In Kombination mit dem SAPOS HEPS Dienst im VRS Betrieb über die RTKLIB 2.4.2

Ich habe anschließend einige Konfigurationen ausprobiert und habe festgestellt, dass ich keine gute Wiederholgenauigkeit bei meinen GPS Messungen erhalte. Im einzelnen sieht das wie folgt aus:
Messung bei gutem Wetter auf einer großen (ca 200x200 Meter) Wiese, drumrum Gebäude mit max. 4 Stockwerken. Antenne liegt flach auf dem Gras, wird bei Bedarf um exakt 4 Meter nach Norden versetzt, bzw. umgekehrt zurück. Alle Messungen fanden in sehr kurzer Zeit nacheinander statt, die Satellitenkonstellation sollte also annähernd gleich sein.
Die Grundeinstellungen sind:
L1 Messung
15° Elevation
Dynamics OFF / Tides SOLID
Iono SBAS
Tropo SBAS
Clock Broad+SBAS
Settings 2 und Statistics wurden beim Installationsstandard belassen.

Nachfolgend schreibe ich nur die Änderungen der Settings auf

Messung 1:
    Einstellung: Static / Fix and Hold
    Ergibt für den Anfangspunkt nach 2 Minuten Subdecimeter Genauigkeit, Anschließend wird die Antenne versetzt, 1 Minute warten und dann zurück
    Ergebnis: Beim Zurückkehren wird nicht der Ausgangspunkt erreicht

Messung 2:
    Einstellung: Kinematic / Continous
    Ergibt für den Anfangspunkt nach 5 Minuten Submeter Genauigkeit --> nur 5% Fix, Rest Float
    nach Versetzen: 5 Minuten Wartezeit: Submeter Genauigkeit, ca 5m Abstand
    nach Rückkehr: Anfangspunkt wird um 3 Meter verfehlt
Messung 3:
    Einstellung: Kinematic / Instantenous
    Ergibt für den Anfangspunkt nach 5 Minuten *keine* Genauigkeit --> nur Float, Schwankung um +-3 Meter
    nach Versetzen: 5 Minuten Wartezeit, 3 Meterwolke, Zentrum ca. 8 Meter Abstand
    nach Rückkehr: Überschneidung von den 3 Meterwolken, Genauigkeit nicht feststellbar
Messung 4:
    Kinematic / Fix and Hold
    Ergibt für den Anfangspunkt nach 3 Minuten 20cm Genauigkeit --> ca 35% Fix
    nach Versetzen: nach 3 Mintuen 20cm Genauigkeit, Abstand ca 5m
    nach Rückkehr: 3 Minuten Wartezeit 20cm Genauigkeit, Startpunkt jedoch um 1 Meter verfehlt

Wie man sieht erreiche ich nur sehr unbefriedigende Ergebnisse. Das Ziel des RTK soll jedoch "klassiches" RTK GPS sein, ich möchte eine Drohne automatisch eine Route fahren lassen. Wenn ich nun die geteachten Punkte nicht erneut exakt anfahren kann, nützt es mir nichts, dass ich auf 20cm Genauigkeit komme (auch wenn das bereits zu schlecht ist!)

Da scheint ja was bei mir nicht zu stimmen, wenns bei den "poor man farmern" klappt. Hat jemand eine Idee woran es liegen könnte?

PS: Mit Genauigkeit beschreibe ich nur die Größe der entstehenden Punktwolke ;)

PPS: Ich habe alle letzten Messungen komplett mit Eingangsstreams und Solutions mit Timetag geloggt. Falls sich jemand den Kram ansehen will, lad ichs hoch
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Re: Keine Wiederholgenauigkeit RTKLIB

Beitragvon Hagen.Felix » 18.06.2013 - 14:06

Hallo Herr Rawohl,

da muss wohl noch irgendwo ein Fehlerteufelchen stecken. :?:

Mit SAPOS HEPS sollte es bei wenigstens halbwegs ungestörtem Empfang eigentlich deutlich besser aussehen können!

Bitte mal die RTKNAVI Konfiguration (auch die Inputs) hier hochladen oder die Screenshots als Bilder mit einstellen, dann wird es vielleicht leichter für uns.

Ich hoffe, jetzt bald wieder stärker hier aktiv sein zu können, nachdem ich kürzlich dem Flussgott der Vereinigten Mulde ein Opfer darbringen musste ... :cry:

Ach so, bitte wenigstens schon mal die Antenne etwas weiter über Grund und möglichst auf einer 100-mm-Grundplatte betreiben und schauen, ob dann Unterschiede zu vorher deutlich werden.

Bis in Kürze hoffentlich,
Hagen F. Piotraschke
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Re: Keine Wiederholgenauigkeit RTKLIB

Beitragvon BRawohl » 18.06.2013 - 15:07

Ja mit den Bildern kann ich gerne dienen... dass da was falsch laufen muss, ist mir ja klar ;)

Die Antenne auf 100cm zu bringen geht, aber ne Groundplane ist für meine Anwendung nicht denkbar, da diese zu groß wäre!

Also im Anhang die Bilder mit den Settings von der bisher besten Lösung:

Solution.PNG
Bisher beste Solution
Solution.PNG (28.84 KiB) 9757-mal betrachtet


Input.PNG
Input Streams
Input.PNG (17.42 KiB) 9757-mal betrachtet


Settings1.PNG
Settings1
Settings1.PNG (19.75 KiB) 9757-mal betrachtet


Weitere Bilder, nächster Kommentar....
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Re: Keine Wiederholgenauigkeit RTKLIB

Beitragvon BRawohl » 18.06.2013 - 15:08

Settings2.PNG
Settings 2
Settings2.PNG (17.91 KiB) 9757-mal betrachtet

Statistics.PNG
Statistics
Statistics.PNG (16.39 KiB) 9757-mal betrachtet

Positions.PNG
Positions
Positions.PNG (14.63 KiB) 9757-mal betrachtet
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Re: Keine Wiederholgenauigkeit RTKLIB

Beitragvon BRawohl » 18.06.2013 - 15:08

Status.PNG
Status mit Empfang
Status.PNG (19.84 KiB) 9757-mal betrachtet

Status2.PNG
Status mit Baseline
Status2.PNG (17.26 KiB) 9757-mal betrachtet
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Re: Keine Wiederholgenauigkeit RTKLIB

Beitragvon ssquare_de » 18.06.2013 - 16:34

Hallo BRawohl,

das Offensichtliche zuerst:
:wink:

Setting1.JPG
Setting_1
Setting1.JPG (39.83 KiB) 9754-mal betrachtet


Setting2.JPG
Setting_2
Setting2.JPG (41.34 KiB) 9754-mal betrachtet


Statistics.JPG
Statistics
Statistics.JPG (42.6 KiB) 9754-mal betrachtet



Damit sollte ein halbwegs erfolgreicher Start möglich sein.
Wichtig, Antenne höher lagern, wenigstens 1m über Boden.
Wird beim Positionswechsel der Antenne zu viel Signalblocking betrieben, oder es entstehen zu viele cycle slips, muss der Initialisierungsvorgang immer wieder neu gestartet werden...das dauert seine Zeit.... :(

Hast du wirklich nicht Platz für ne 100mm Alu-Groundplane?
Erzähl bitte mal mehr über deine Anwendung, Copter, Bodenfahrzeug....
Das würde uns möglicherweise Hilfestellungen ungemein erleichtern.



Stefan
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Re: Keine Wiederholgenauigkeit RTKLIB

Beitragvon Hagen.Felix » 18.06.2013 - 17:07

BRawohl hat geschrieben:... aber ne Groundplane ist für meine Anwendung nicht denkbar, da diese zu groß wäre!
...


Im einfachsten Falle würde vielleicht auch schon ein Stück Metallfolie unter der Antenne eine spürbare Verbesserung bringen.

Die Größe und Form ist letztlich auch nicht kritisch.

Hauptsache möglichst plan und etwas größer als die Antenne selbst, aber natürlich auch nicht unbedingt größer als 100 cm² ...
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Re: Keine Wiederholgenauigkeit RTKLIB

Beitragvon BRawohl » 19.06.2013 - 09:48

@ssquare:

Ich habe eben deine vorgeschlagene Konfiguration mit den alten Logs durchgespielt. Das Ergebnis war eher schlechter als vorher. Gibt es genaue Gründe für die vorgeschlagenen Änderungen? Warum zB sollen alle Korrekturen ausgeschaltet werden? Was exakt verändert sich durch die Änderung bei Statistics? Und warum der Continous Mode, wenn ich vorher mit Fix and Hold bessere Ergebnisse hatte?

Zur Art meiner Anwendung: Das GPS soll auf einem Hexacopter mit 2kg Traglast zum Einsatz kommen. Das System ist recht klein, und ich kann mir nicht erlauben weitere Payload zu erzeugen, da die eigentliche Aufgabe des Geräts nicht das GPS-Messen sein soll ;) Besonders wichtig ist hierbei, dass sich auf der Oberseite angebrachte Helligkeitssensoren befinden, welche folglich nicht durch eine riesen Groundplane oder ähnliches blockiert werden dürfen. Bezüglich Cycle-Slips durch die Bewegung der Drohne: Die Drohne wird keine Höhenänderungen beim Flug durchmachen, die horizontale Geschwindigkeit wird nie mehr als 0,5m/s betragen, eher weniger.

Allgemein gefragt: Was soll mir die Höhenänderung der Antenne bringen, wenn ich keine Multipathunterdrückung involviere? Wenn ich das richtig sehe, sollte die Antenne dann ja mehr reflektierte Signale empfangen (wenn sie höher liegt, OHNE Groundplane, etc). Klar ich werde das gleiche Problem später beim Flug bekommen, aber das muss ich dann sehen.

Desweiteren: Ich verstehe nicht ganz, wie mir ein *irgendwie* geformtes Stück Alublech großartig helfen soll. Der Empfang vom uBlox ist relativ gut, oder irre ich mich da? (siehe gepostete Bilder) Ich habe mir vor einiger Zeit mal das innere einer geodätischen Antenne ansehen können. Das darin befindliche Blech-Origami sah doch sehr filigran und *berechnet* aus. Es fällt mir daher etwas schwer zu glauben, dass *irgendein* Blech helfen soll.
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Re: Keine Wiederholgenauigkeit RTKLIB

Beitragvon ssquare_de » 19.06.2013 - 10:53

Hallo,

" Warum zB sollen alle Korrekturen ausgeschaltet werden? "

--> Brauchst du in deinem Anwendungsfall nicht, bringen eher mehr durcheinander, als dass sie hier helfen.
SBAS-clock-, SBAS-Bahn-korrekturen sind wichtig bei autonomen Anwendungen und eventuell bei PPP-Verfahren.
Du beziehst ja aber die Daten einer virtuellen Referenzstation über minimaler Basislinie.

" Was exakt verändert sich durch die Änderung bei Statistics? "

Die Einstellung 150 ( vielleicht ist eine Erhöhung bis auf max. 200-250 sinnvoll ) bewirkt, dass zur Festsetzung der Ambiguitys (=Fixed solution) stärker verrauschte Phasenmesswerte zugelassen werden, die bei z.B. 100 noch ausgeschlossen sind.


" Was soll mir die Höhenänderung der Antenne bringen, wenn ich keine Multipathunterdrückung involviere? Wenn ich das richtig sehe, sollte die Antenne dann ja mehr reflektierte Signale empfangen."
Signalreflektionen (= Multipath) sind ziemliches Gift für hochgenaue GNSS-Anwendungen wie .z.B. mit RTKLIB. Wenn man natürlich vor der Alternative steht, ohne Signalreflektionen und geringsten Signalstärken überhaupt keine Positionsbestimmung erzielen zu können, muss man sich mit dem Angebot abfinden...aber genau geht anders...
Ich wusste ja nicht, dass die Antenne auf einem Copter mitfliegt, ich dachte, die liegt im hohen Grass direkt am Boden, also eher suboptimal gelagert. :wink:

Zerhackstückeln denn die rotierenden Propeller die L(ine)O(f)S(ight) flacher stehenden Sats?!? Soll heissen, sind die Rotoren über der Antennenebene angebracht?
Dann hast du zwar augenscheinlich guten Empfang der robusteren Code-Signale, die für die hochgenauen RTK-Ergebnisse wichtigen Phasen-Messwerte sind ob ihrer Empfindlichkeit aber stark verrauscht, d.h. ziemlich entwertet.
Um hier ein bischen Licht ins Dunkel zu bekommen, kannst du dir ja mal in RTKPLOT den Sky-Plot und auch den Sat_Vis- Plot anzeigen lassen, mit den Options wie unten angegeben.

Skyplot.JPG
Sky-Plot
Skyplot.JPG (54.6 KiB) 9716-mal betrachtet


Sat_Vis.JPG
Sat_Vis
Sat_Vis.JPG (67.45 KiB) 9716-mal betrachtet


Options.JPG
Options
Options.JPG (68.75 KiB) 9716-mal betrachtet


Und natürlich hier zur Begutachtung reinstellen! :wink:
Und da ein Bild ja bekanntlich mehr sagt, als tausend Worte: eines von deinem Copter in der Messflugausführung, auf dem man die Antennenmontage und deren Umgebung (weitere Aufbauten, Rotoren...) erkennen kann, wäre Klasse, da :idea: -Effekt nicht ausgeschlossen werden kann.
:wink:



Stefan

P.S. Hast du Logs deiner Kopter-Rovers und auch der virtuellen SAPOS-Referenzstation von RTKNAVI aufzeichnen lassen?

---> " PPS: Ich habe alle letzten Messungen komplett mit Eingangsstreams und Solutions mit Timetag geloggt. Falls sich jemand den Kram ansehen will, lad ichs hoch"
Ja klar, lade die beiden Files hoch, dann gehts vermutlich doch schneller, als das Über-Bande-Spiel...
:)
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Re: Keine Wiederholgenauigkeit RTKLIB

Beitragvon BRawohl » 19.06.2013 - 12:15

Das mit dem im Gras hattest du schon richtig verstanden, bei den Messungen um die es hier geht wurde mi der Antenne im *gemähten* Gras gemessen. Man könnte sagen sie lag flach auf praktisch nackter Erde. Bilder vom Aufbau sind zur Zeit nicht möglich, da der RTKLIB Aufbau bisher nicht in der Drohne integriert ist.

Die Rotoren sind unterhalb der Antenne angebracht, das sollte später also kein Problem werden, bei der gelaufenen Messung eh nicht ;)

Bezüglich der Korrekturen: Die scheinen bei mir nicht zu stören. Ich erhalte wesentlich bessere Ergebnisse mit angeschalteten Korrekturen, ich sehe daher keinen Grund diese zu deaktivieren. (btw. Wer verwendet RTKLIB denn bitte auch schon für autonome Anwendungen, da kommt ja nur Müll raus, mit Code ist das schon besser :D)

Die Logs habe ich, kann ich aber dank der besoffenen Beschränkungen des Forums hier nicht hochladen... viel Spaß mit Dropbox :D https://www.dropbox.com/s/j77l6wg4hd4d1rc/Messungen.7z

Nur zur Erinnerung: Ich bekomme Fixed Positionen, mein Problem liegt darin, dass diese Positionen bei erneutem "anflug" nicht übereinstimmen!!

PS: Ich habe mal ein wenig klassische Messreihen mit den Einstellungen und meinen Logs gemacht. Ich komme bisher auf das beste Ergebnis mit geänderten Werten für Elev. und SNR Mask sowie Min Lock to Fix. Dort scheint das meiste Potenzial zu liegen. (siehe auch Mr Takasus Tabelle beim BeaglePort)
BRawohl
 
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Re: Keine Wiederholgenauigkeit RTKLIB

Beitragvon ssquare_de » 19.06.2013 - 13:52

Hallo,

schau mal hier, der Plot deiner Rover-Messung:

Sat.JPG
Sat_View
Sat.JPG (98.93 KiB) 9699-mal betrachtet



Sieht nicht so gut aus, ich hab dir die kritischen Stellen auf die Schnelle :wink: mit schwarzen Kreuzchen/Stichen versehen.

Wichtig!
Für RTK oder auch ( in leicht abgeschwächter Form) Postprozessing besser 2-3 Dezimeter brauchst du den unterbrechungsfreien Empfang mindestens 5 Sats über wenigstens 5-10 Min. bei optimal kurzen Basislinien.
Die Basislinien sind bei SAPOS kein Problem.

Dein Problem sind die vielen Signalunterbrechungen in kurzer Abfolge, ich hab dir die mit den verwackelten schwarzen Kreuzchen/Strichen in deinen Plot reingemalt. :wink:

Vorschlag:

einen neuen Versuch starten, diesmal aber die Antenne an einem 2m-Stab montieren (doppelseitiges Klebeband reicht für den Versuch).
Eine alte CD-ROM, deren Oberseite du mit festem Alu-Küchenpapier abklebst, würde als behelfsmässige Groundplane schon reichen, das dürfte auch gewichtsmässig noch durchgehen! :wink:
Dann kannst du die händische Antennenversetzung vornehmen, ohne mit deinem Körper bei Annäherung an die Antenne all die wertvollen GPS-Sats wegzublocken.
Du musst nur zusehen, dass die Antenne immer (an den einzelnen Wegpunkten und auch beim Versetzen der Antenne möglichst unterbrechungsfrei gute Rundumsicht hat!

Mit dem Copter würde das so ablaufen:
Copter auf kleines Tischchen stellen, NEO-6P einschalten, mit guter Rundumsicht "warmlaufenlassen" und dann auf die Reise schicken...
Wenn der Copter mal ein paar Meter in der Luft ist, sollte die Rundumsicht eigentlich kein grösseres Problem darstellen, solange du nicht nahe an riesige Fassaden heranfliegst.

Apropos "warmlaufenlassen",
hier sind 2 Aspekte zu beachten:
zunächst braucht der GPS-Empfänger einige Minuten, bis er nach einem Kaltstart einen halbwegs kompletten Almanach geladen hat, und dann sollte die gesamte Zeitspanne, in der Postprozessing statfindet, mindestens 10-15 min betragen.

Beispiel:
NEO-6P per Kaltstart einschalten, 2-5 min. den Almanach laden lassen, RTKNAVI oder auch die Logs, erstens der SAPOS-Station starten, unmittelbar darauf zweitens das Log des Rovers starten.
Brauchst du die genauen Positionsdaten schon ab Abflugort, noch einige Minuten (5 Min.?) mit dem Abflug warten.
---> Angenommen, du hast 5 min. reine Flugzeit kalkuliert, nimmst du schon vor dem Abheben ein >5min-Log von Basis und Rover auf.

Die jeweiligen MInutenangaben können natürlich je nach Anwendungsfall differieren, die angegebenen Grössenordnungen sollten aber für erste Versuche grob i.O sein.


Stefan
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Re: Keine Wiederholgenauigkeit RTKLIB

Beitragvon Hagen.Felix » 19.06.2013 - 15:54

BRawohl hat geschrieben:...
Desweiteren: Ich verstehe nicht ganz, wie mir ein *irgendwie* geformtes Stück Alublech großartig helfen soll. Der Empfang vom uBlox ist relativ gut, oder irre ich mich da? (siehe gepostete Bilder) Ich habe mir vor einiger Zeit mal das innere einer geodätischen Antenne ansehen können. Das darin befindliche Blech-Origami sah doch sehr filigran und *berechnet* aus. Es fällt mir daher etwas schwer zu glauben, dass *irgendein* Blech helfen soll.


Im Gegensatz zum "Blech-Origami" (vermutlich ist damit die 3G+C gemeint, oder?) wäre die Grundplatte weder besonders anspruchsvoll in Form und Größe noch wirklich wichtig, insbesondere in Abgrenzung zur Position der Antenne über Grund bzw. solchen Störquellen wie z.B. Rotorblättern. Ihre Aufgabe läge ja auch kaum in einer wundertätigen Multipath-Unterdrückung, sondern nur in einer verbesserten Antennenabstimmung.

Die optimale Abstimmung der Antenne im Bezug zum jeweils enthaltenen Patch-Element wäre dann sozusagen nur das i-Tüpfelchen, wenn die wirklich wichtigen Dinge alle schon stimmen. :roll:


BRawohl hat geschrieben:...
Nur zur Erinnerung: Ich bekomme Fixed Positionen, mein Problem liegt darin, dass diese Positionen bei erneutem "anflug" nicht übereinstimmen!!
...


Was hier vielleicht mal einen Versuch wert sein könnte, wäre ggfs. eine "Fixierung" der Basisstation für die Wiederholungsmessungen. Das ist aber nur so eine ungewisse Vermutung, da ich mit der Kombination von SAPOS und RTKLIB leider noch gar keine eigenen Erfahrungen gewinnen konnte (habe immer nur mit AXIO-NET PED gemessen).

Wenn einigermaßen stabile Fix-Lösungen bei Wiederholungsmessungen mit eigentlich extrem kurzen Basislinien so weit auseinander liegen, habe ich ein wenig den Verdacht, dass da evtl. ein Problem mit der Verarbeitung der jeweils neuen VRS bestehen könnte ... :?:

Wäre es denn möglich, mal ein oder zwei Wiederholungsmessungen mit einer unveränderten VRS (oder alternativ einer echten RS) durchzuführen?
Zuletzt geändert von Hagen.Felix am 19.06.2013 - 18:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Keine Wiederholgenauigkeit RTKLIB

Beitragvon ssquare_de » 19.06.2013 - 17:56

Servus Hagen,

das mit BRawohls mangelhafter Wiederholgenauigkeit beunruhigt/verwundert mich im Moment nicht übermässig:

wie in seinem Sat_Vis-Plot ersichtlich, gehts zu Beginn, sieht man mal von dem kleinen Totalausfall 12:43:07,600 - 12:43:12,200 UTC ab, ja vergleichsweise ordentlich los, mit unterbrechungsfreiem Empfang 6 Sats, bis dann um ca. 12:44:50 UTC Sat G15 abreisst.
Man beachte zudem auch die Signalstärken der jeweiligen Sats, die durch die Einfärbung beschrieben wird.
Bei den ublox-Empfängern brechen die Phasenmesswerte ab <30dBHz weg, gut wenn man RTKLIB immer >35dBHz anbieten kann!
Die Signalstärke spricht immer auch für eine Groundplane, die 100mm Durchmesser erhöhen bei den Tallysman die Signalstärke ganz klar bemerkbar....
:wink:

Und zum Ende der Aufzeichnung sind ja nur noch 4 Sats mit von der Partie, klar mindestens einer zuwenig für RTK und Postprozessing...dass da keine Wiederholgenauigkeit mehr da ist, wen wunderts?!?
Mich wundert eher, dass RTKLIB da noch irgendwas anzeigte.... :)



Stefan

P.S.
Der NEO-P6 an der Tallysman TW3430 samt 100mm Groundplane auf rund 1,80m über Boden funktioniert in Verbindung mit SAPOS ( und VRS) ganz wunderbar zuverlässig und genau, soviel kann ich hier schon sagen, ohne mich nurin die Nähe eines Fensters zu begeben, aus dem ich mich lehnen könnte...
:wink:
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Re: Keine Wiederholgenauigkeit RTKLIB

Beitragvon BRawohl » 19.06.2013 - 18:34

Okay also waren meine Messungen an dem Tag wohl leider von Problemen geplagt... sowas in der Art hatte ich heute schon vermutet, da ich auch mit den "besten" Einstellungen zu keinem guten Ergebnis komme.
Bezüglich des Almanachs: Der Neo-6P hat ja AlmanachPlus (Alamach zum runterladen für schnellere TTFF) für die Codeberechnungen, reicht das nicht schon aus? Davon abgesehen, war der Empfänger meist schon mind. ne halbe Stunde am USB bevor ich die RTKLIB angeworfen hab.

Ich werde demnächst mal versuchen bei guten Wetter früh morgens zu messen, vielleicht bringt das ja was. Sonst muss ich mir ne andere Wiese suchen.
Ich werde dann zumindest zum testen mal eine Groundplane anbringen. Reicht zum test wirklich eine mit Alutfolie umwickelte CD? Was müsste ich sonst dafür beachten? Welche Dicke, welche Form und welches Material sollte die Groundplane haben. Muss diese anschließend *irgendwie* mit der Antenne verbunden werden (elektrisch, etc) oder reicht es aus wenn die Antenne einfach drauf liegt?

Bezüglich VRS: Nach den Informationen die mir von der GeoBasis NRW vorliegen, wird die VRS während einer durchgängigen Messung nicht verändert sofern man sich nicht zu weit von der alten entfernt. Daran sollte es also nicht liegen. Desweiteren würde ich davon ausgehen, dass die zugrundeliegende Netz-RTK Technik bei SAPOS und ascos zumindest ähnlich sein sollte. Wie ist es denn bei ascos?

PS: Die Origami-Antenne war ein Modell von Leica, glaube ich. Sah auch mehr aus wie bedampftes Plastik, als Blech.
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Re: Keine Wiederholgenauigkeit RTKLIB

Beitragvon ssquare_de » 19.06.2013 - 19:56

Hallo,

..."Ich werde demnächst mal versuchen bei guten Wetter früh morgens zu messen..."

Empfehlenswert!

Zur Behelfskonstruktion des Antennenträgers für deine ersten Versuche:

in den Baumärkten oder im Eisenwarenhandel gibts 2m-Rohrmaterial aus Alu vergleichsweise preiswert.
So ein Exemplar mit Durchmesser 15-25mm, Wandstärke 1,5-2mm, ist ideal geeignet.

Groundplane

Form: idealerweise scheibenförmig rund, da auch das Patch-Element deiner Antenne kreisrund ist
Stärke: egal, metallischer Werkstoff, ein engmaschiges Drahtnetz würde auch schon genügen, oder Kunststoff metallisch bedampft ( so wie man es auch bei Kunststoffgehäusen macht, die EMV-Richtlinien genügen müssen), Alufolie geht auch...

die genannte CD hat nen Durchmesser von 130mm, passt noch, auch wenn Tallysman für deine Antenne als optimale Grösse 100 mm empfiehlt.
Dünnes doppelseitiges Teppichklebeband auftragen und reissfestes Alupapier drauf.
Das kannst auch flach auf dem Tisch auslegen und dadrauf die klebrige CD "werfenn", um die Alufolie schön sauber und faltenfrei zu verkleben.

Du kannst natürlich auch nach einer Konservendose mit rund 100mm Durchmesser Ausschau halten, da haftet auch gleich der Magnetfuss deiner Antenne gut.
:wink:
den möglichst ebenen Blech-Deckel bestückst du einfach zentrisch und nebeneinander mit Patex doppelseitigem Kraft-Klebeband ( abhängig vom Rohrdurchmesser, hierwäre es dann vorteilhaft, wenn das Alurohr 2mm Wandstärke besitzt, da grössere Klebefläche)
http://www.pattex.de/do-it-yourself-mit-pattex-klebstoffe-produkte-new/pattex-klebstoffe/kleben-statt-bohren-kleber-pattex/doppelseitiges-klebeband.html oder Vergleichbares der Mitbewerber
Musst halt aufpassen, dass beim Abnehmen der Antenne der Magnet nicht noch fester zupackt, als das Klebeband... :wink:

Und nein, es reicht, deine Antenne einfach auf der Groundplane zu plazieren (rauflegen, Magnetbefestigung, doppelseitiges Klebeband...alles zulässig))

Wie umfangreich der Almanach, die Ephemeriden schon geladen ist, kann man im u-center schnell abchecken, wenn man sich die SVSI-Message anzeigen lässt:
SVSI-Message.JPG
SVSI-Message
SVSI-Message.JPG (94.53 KiB) 9688-mal betrachtet




Stefan
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