u-blox NEO-M8N

Fragen zu GPS-Empfängern und alles was damit zu tun hat.

Moderator: Roland

u-blox NEO-M8N

Beitragvon ssquare_de » 09.11.2014 - 21:27

Hallo,


nachdem ich nun den NEO-M8N in den letzten Wochen schon einige Male spazierengetragen und auch in verschiedenen Anwendungen getestet habe, ist schön langsam Zeit, erste Eindrücke weiterzugeben:

der Neo-M8N ist ja eines der ersten Module von u-blox, die gleichzeitigen Empfang von GPS und GLONASS (" multiconstellation" ) ermöglichen.
Später soll dann mal ein FirmwareUpdate von u-blox zusätzlich für Nutzer hier in Europa Galileo noch mit dazu nehmen.

Ich hatte schon im Vorfeld der NEO-M8N-Tests Versuche mit aktuellen Chipsätzen in Smartphones und Tablets angestellt, um einen ersten Eindruck von den neuen Möglichkeiten der "Multiconstellation"-Technik zu gewinnen.
Dabei ist mir schnell aufgefallen, dass in guten Empfangslagen nur die GPS-Sats zur Positionsbestimmung ausgewertet werden, die Glonass-Sats werden "nur" getracked, aber bleiben eben bei der Positionsbestimmung aussen vor.
Der u-blox setzt die gleiche Strategie ein, GLONASS-Sat-Messungen werden nur in schlechteren Empfangslagen mit in die Positionsberechnung miteinfliessen.
Das ist auch vernünftig so, wenn man sich daran erinnert, das das GPS-System derzeit in der Praxis Genauigkeiten von rund 2-2,5m (horizontal, CEP50 oder auch 1sigma ) ermöglicht, während GLONASS in den einschlägigen Datenblättern mit rund
4m (horizontal, CEP50, 1sigma) angegeben wird.
--> Also zunächst in guten Empfangslagen GPS auswerten und dann bei schlechter werdenden Empfangsbedingungen die GLONASS-Satelliten mit dazuauswerten, und dann natürlich bei sich verbessernden Bedingungen, die wieder weglassen.
Dieses Umschaltspiel bekommt der u-blox nahezu perfekt hin, der Nutzer bekommt da normalerweise garnix davon mit, z.B. von "verzitterten" Trackspuren in den "Umschaltpunkten" oder ähnlichem.

Bei Versuchen im Wald fallen mit dem NEO-M8N ( an einer TW3430-Aktiv-Antenne ) 3 Dinge sofort auf:
- sehr hohe Empfängerempfindlichkeit ( -167dBm bei GPS + GLONASS )
- der EGNOS-Empfang ermöglicht vergleichsweise oft "DGPS"-Empfang ( wegen der hohen Empfindlichkeit, aber auch, weil der NEO-M8N gutmütig auf zwischenzeitliche Signalausfälle reagiert, bzw,. diese scheinbar einige Zeit überbrücken kann)
- das oben erwähnte "Umschaltspiel" zwischen "GPS" und "GPS+GLONASS" beherrscht der ublox nahzu perfekt.
- nervöses Positionswandern bei Stillstand der Antenne: supergering!
- trotzdem nicht einfach per Filter "ruhig gestellt"

Ich werde hier morgen mal mit ein paar Luftaufnahmen und Ausschnitten aus der TOP10-Karte des bayerischen Vermessungsamtes zeigen, wie sowas in der Praxis (dichter Waldbestand, enge Taleinschnitte ...übel eben für Empfänger:-) ) aussieht.

So, endlich gehts weiter:

Wanderung über Waldwege, teilweise aber auch wirklich schmale Trampelpfade mit dabei, die in keiner Karte vermerkt sind , autonomer Empfang (GPS+GLONASS+SBAS(EGNOS))
2 Tracks, einer zeigt den Hinweg, der andere den Rückweg. Beide Tracks liegen wirklich sehr gut übereinander und auch die absolute Lageposition beider Tracks ist wirklich schwer in Ordnung.

Übersichtbild aus OZI-Explorer (mit ganz aktuellem Google-Luftbild (kaum 6 Monate alt):
Übersicht.JPG
Übersicht
Übersicht.JPG (131.72 KiB) 12427-mal betrachtet


Und die beiden Tracks im .kml Format, Hinweg u. Rückweg:
Hinweg.kml
Hinweg
(129.09 KiB) 271-mal heruntergeladen

Rückweg.kml
Rückweg
(58.24 KiB) 242-mal heruntergeladen


Unten gehts mit Detailbetrachtungen weiter.
( max. 3 Anhänge pro Beitrag)


Stefan
Zuletzt geändert von ssquare_de am 15.11.2014 - 03:23, insgesamt 1-mal geändert.
ssquare_de
 
Beiträge: 671
Registriert: 07.10.2006 - 16:23

Re: u-blox NEO-M8N

Beitragvon ssquare_de » 15.11.2014 - 02:18

Teil 2,
Schauen wir uns mal die Qualität derHöhenmesswerte an :
dazu der Vergleich des NEO-M8N mit dem digitalen Höhenrasters (25m-Rasternetz) des bayerischen Landesvermesungsamtes.
Darstellung durch die TOP10-Software des bay. Landesvermessungsamtes.
Anmerkungen: die Antenne war an einem Antennenstab befestigt, der wiederum an meinem Rucksack montiert war.
---> Antennenhöhe ziemlich genau 2m über dem Erdboden.
---> schön sind in beiden Screenshots die typischen Rasternetzsprünge (grüne Stufenkurven) zu erkennen, die GNSS-Höhen werden durch die jeweils blauen Kurfen repräsentiert
---> ingesamt sind die Höhenmesswerte des (bis auf EGNOS) autonom laufenden Empfängers als wirklich gut zu bewerten, sowohl vom "ruhigen" Verlauf her (kaum einzelne Ausreisser) als auch von der Genauigkeit

Hinweg:
Höhenmesswerte_Hinweg.JPG
Hinweg
Höhenmesswerte_Hinweg.JPG (89.1 KiB) 12427-mal betrachtet


Rückweg:
Höhenmesswerte_Rückweg.JPG
Höhenmesswerte_Rückweg.JPG (74.92 KiB) 12427-mal betrachtet



Stefan
ssquare_de
 
Beiträge: 671
Registriert: 07.10.2006 - 16:23

Re: u-blox NEO-M8N

Beitragvon ssquare_de » 15.11.2014 - 03:01

Teil 3:

Und nun ein paar Detailbetrachtungen:

im Bereich B aus der Übersicht haben wir einen vergleichsweise dicht bewaldeten (ziemlich feucht bis nass) Hang, über den es auf einem richtig engen Serpentinen rauf/runter geht.
Vorteil für mich: durch die Wegbreite von durchschnittlich < 50 cm tut man sich leicht, beide Tracks beim Gehen schön übereinanderzulegen. :wink:

Bei Punkt 1 in beiden Bildern (Luftbild Google/ TOP10 topo.Karte (Masstab 1:10000 + 3-fache Vergrösserung per Software bay. Landesvermessungsamt) gibts eine sichtbare Abweichung beider Tracks: kann sein, dass mir bergauf auf dem (blauen) Rückweg
schon die Puste ausging und ich so auch folgerichtig den einen Serpentinenbogen ausging, den ich bergab beim Hinweg noch frech und übermütig abkürzte. :wink:
Werde das in den nächsten Tagen bei einer erneuten "Ortsbesichtigung" zu einer ganz anderen Tageszeit (abweichende Satkonstellation) nochmals nachprüfen.
Die gelb hinterlegten Wegpunkte in der Topokarte sind 30,4 m auseinander. Nur damit man ein Gefühl bekommt, wie nahezu perfekt beide Tracks in nicht leichtem Gelände übereinander liegen...
Wegpunkt 1 markiert die Stelle, an der der Bach über ein kleines Brückchen überquert wurde, Wegpunkt 2 zeigt die Stelle, wo der Übergang sein sollte...
Kleine Fehler bei der Kartenerstellung (Generalisierung u.ähnliches)

Luftbild_C.JPG
Luftbild Google
Luftbild_C.JPG (51.34 KiB) 12427-mal betrachtet

TOP10_C.JPG
TOP_10
TOP10_C.JPG (27.82 KiB) 12427-mal betrachtet


Wenn es noch Wünsche und Foltervorschläge gibt, dem NEO-M8N näher auf den Zahn zu fühlen, bitte hier anmelden! :wink:
Ebenfalls nachfragen, wenn euch beim Abpielen der .gpx-Tacks von oben noch andere Dinge aufgefallen sind.



Stefan
ssquare_de
 
Beiträge: 671
Registriert: 07.10.2006 - 16:23

Re: u-blox NEO-M8N

Beitragvon holgi63 » 17.11.2014 - 10:19

Hallo Stefan,

schade, dass Du zu weit weg wohnst, um mal auf die Schnelle rüberzukommen, denn sonst hätte ich gesagt, ich gehe den Weg mit dem Neo-7P und/oder dem ...6P 3 Schritte hinter Dir mit...

...evtl. auch mal mit dem Eclipse.

Danke für Deine aufwändige Dokumentation und dass Du Deine Erkenntnisse mit uns teilst!
Ein weiterer Gang der gleichen Strecke unter veränderter Satellitenkonstellation wäre in der Tat spannend, was mich allerdings auch interessieren würde, wäre der tatsächliche Benefit gegenüber dem (den) Vorgänger(n).

Da ich dieses Jahr selber einiges Ähnliches vorhatte, aber tatsächlich nix auf die Reihe gebracht habe (es gab leider jede Menge anderer Dinge, die keinen Aufschub duldeten), freue ich mich über Deinen Beitrag sehr!

Bin gespannt auf weitere Informationen und werde hoffentlich auch bald ein paar solcher Beiträge liefern können!

Liebe Grüße aus Oberhessen in den Süden der Republik

Holger
holgi63
 
Beiträge: 34
Registriert: 10.04.2012 - 18:27

Re: u-blox NEO-M8N

Beitragvon ssquare_de » 17.11.2014 - 10:55

Hallo Holger,


schade, dass du meine nächsten Beiträge hier schon verraten hast. :)
Als nächstes steht nochmals eine NEO-M8N-Ortsbegehung an, dann der NEO-7P auf der selben Strecke unter ansonsten gleichen Bedingungen.
Mitten im dichten Wald wird dann nochmals mit 50m Schnur eine Linie (oder Polygon?) ab"gesteckt", damit ich eine Antennenführung habe im < 10cm-Bereich.
An die Schnur "angelehnt" ein paar Mal hin u hergegangen, schauen wir uns dann die "Wiederholgenauigkeit nochmals an.

Im Bereich um "A" (Hinweg, rot) in der obigen Gesamtübersicht habe ich schon mal einen ersten Versuch gestartet, Grenzverläufe im Wald abzuschreiten.
Hier nochmals im Detail:

rot NEO-M8N
blau: Flurstückgrenzen, aus dem "BayernAtlas"
http://geoportal.bayern.de/bayernatlas/extended?lon=4511365.0&lat=5439160.0&zoom=14&base=904
(Expert-Modus, Parzellarkartenlayer ) digitalisiert und in Oziexplorer eingefügt

Waldstückgrenze.JPG
Waldstückgrenze.JPG (51.97 KiB) 12387-mal betrachtet


Hatte den Parzellarlayer zuvor auch in Locus (Android-Anwendung) kopiert und so mit Hilfe des NEO-M8N war das keine Schwierigkeit, den unteren rechten Eckpunkt des Flurstücks anzusteuern.
Dann bin ich der Grenze in nördliche Richtung gefolgt (der Offset von ein paar Metern zur Flurstücksgrenze ergab sich durch einen recht nassen Graben, für den mein Schuhwerk untauglich war:-) )
Weiter oben war dann direkt auf der Grenze ein Drahtzaun aufgestellt, da konnte ich dann bis auf 50 cm hin.
Dort bin ich dann 2 oder 3 mal die Grenze ab und aufgelaufen....und dann wieder zurück auf den Forstweg und weiter....

Das hatte es am Punkt A auf sich...



Stefan
ssquare_de
 
Beiträge: 671
Registriert: 07.10.2006 - 16:23

Re: u-blox NEO-M8N

Beitragvon ssquare_de » 17.11.2014 - 18:22

Hallo,


nachdem sich mal wieder überraschend Verschiebungen in meinem perönlichem Zeitkonto eingestellt hatten (diesmal jedoch zu meinen Gunsten ;-) ), wurde heut´ nachmittag kurzfristig der "Schnurversuch" angegangen.

Rein in den Wald, nahe eines Waldweges ein einigermassen ebenes Fleckchen gesucht, schnell mal überschlagen, wie weit die 50m Schur reicht, so 4 Bäume festgelegt, diese markiert für einen erneuten Versuch zu einemspäteren Zeitpunkt, Schnur in der richtigen Höhe angebracht und los, rundum im geschlossenem Viereck:
Wahrscheinlich hat sich jede in der Umgebung anwesende Wildsau gut unterhalten gefühlt... :)

Antenne war an einem Einbeinstativ montiert, konnte so dieses Stativ halbwegs gut an der gespannten Kunststoffschnur entlangleiten lassen (Antenne in rund 2m Höhe über Waldboden....
Nachdem ich diesen Versuch heute das erste Mal durchführte, hab ich jede Menge bei der Waldstolperei gelernt :) , das ich beim nächsten Mal gleich von Beginn an besser machen werden kann.
Dann messe ich auch die 4 Seitenlängen genau aus ( Laserentfernungsmesser).
Und Fotos aus der Waldameisenperspektive - die Luftbilder sind ja nicht alles - von der Lokation fehlen auch noch, damit ihr euch einen besseren Eindruck machen könnt.

Na, jedenfalls hänge ich euch unten einen Track mit 4 Umläufen an.
Könnt ihr ja in Google Earth genau ansehen (beste Vergrösserung per Zoom und mit einfachem Werkzeug zum Ausmessen der "Spurbreite"....

Also, mir gefällt sehr, was ich da heute vom NEO-M8N so sehe!
Die "schlimmste", da grösste Spurbreite (Ostseite) beträgt rund 2,2m! .

Kann ich so noch nicht ganz glauben, reibe mir noch immer die Augen, eigentlich viel zu gut unter den gegebenen Umständen.
Der Versucg muss in jedem Fall zu einem anderen Zeitpunkt noch einmal wiederholt werden.
Aber als erste Marke sicherlich schon mal beeindruckend!

Ausschnitt aus GOOGLE EARTH
Schnurversuch_1.JPG
Schnurversuch_1.JPG (49.81 KiB) 12367-mal betrachtet


Und der Track dazu im .kml-Format:
NEO-M8N.kml
(11.04 KiB) 240-mal heruntergeladen




Stefan
ssquare_de
 
Beiträge: 671
Registriert: 07.10.2006 - 16:23

M8N in der Praxis

Beitragvon Hagen.Felix » 18.11.2014 - 09:30

ssquare_de hat geschrieben:... Kann ich so noch nicht ganz glauben, reibe mir noch immer die Augen, eigentlich viel zu gut unter den gegebenen Umständen. ...

Das ging mir ebenso, schon seit der ersten Inbetriebnahme eines M8N ... :shock:

Und mittlerweile bin ich ja in der angenehmen Lage, bereits von etlichen Anwendern Rückmeldungen von deren Eindrücken mit dem M8N im wahren Leben bekommen zu haben. :wink:

Wobei Du, Stefan, die Hitliste der "Folterwerkzeuge" für GNSS-Messungen wohl zweifelsfrei anführst ... :mrgreen:

Die Tatsache, dass der M8N nicht mit “carrier smoothing” daherkommt (http://www.navipedia.net/index.php/Carrier-smoothing_of_code_pseudoranges, was ja im Marketing von u-blox als "PPP" beworben und bepreist wird, siehe http://u-blox.com/en/precise-point-positioning-ppp.html), darf eben nicht zwangsläufig zu der Schlussfolgerung führen, er wäre im Leistungsmerkmal der Genauigkeit notwendigerweise schwächer!

Tendenziell scheint der NEO-7P auf freiem Feld aber noch immer einen Genauigkeitsvorteil gegenüber dem M8N realisieren zu können, was ja auch durchaus plausibel wäre.

Gerade im dichten Wald jedoch (und ebenso zwischen hohen Gebäuden oder Bergen) spielt der M8N seine Vorteile, die Du, Stefan, ja schon eingangs auf den Punkt gebracht hast, sozusagen hemmungslos aus ... :mrgreen:

Ich habe vor ein paar Wochen auf der Intergeo-Messe in Berlin übrigens länger mit den Leuten von Tallysman gesprochen, die aktuell wohl nicht nur ihr Projekt der High-End-Mehrfrequenzantenne TW6000 vorantreiben, sondern auch mächtig Blut geleckt zu haben scheinen am Thema der GNSS-Messungen im tiefen Wald. :wink:

Viele Grüße,
Hagen
Gewerbliche Tätigkeit u.a. im Bereich GNSS (siehe https://www.optimalsystem.de/os.aspx?x=411)
Nachrichten bitte bevorzugt als klassische E-Mail (siehe https://www.optimalsystem.de/os.aspx?x=8)
Hagen.Felix
 
Beiträge: 652
Registriert: 21.12.2008 - 12:07
Wohnort: Grimma

Re: u-blox NEO-M8N

Beitragvon ssquare_de » 18.11.2014 - 16:25

Hallo Hagen,


als nächstes stehen statische Messungen im Wald mit dem NEO-M8N und im Vergleich mit dem NEO-7P an.

Allgemein aus meiner bisherigen "gefühlten" Erfahrung: wenn es an der (irgendeiner) Messstelle gelingt,
den NEO-7P über die Messdauer in den DGPS Modus zu versetzen (SBAS-EMpfang i.O. und gleichzeitig 5 GPS SVs recht störungsfrei (keine/kaum cycle slips) "reinzubekommen",
dann wird der NEO-7P zur ziemlich harten Nuss, dessen autonome Genauigkeit schwer zu knacken sein wird.
Ich hatte von 2 oder 3 Wochen eine statische Messung mit dem NEO-7P vorliegen, da ist die Position über mehr als eine Stunde nicht aus einem Kreis mit 0,30m Radius rausgewandert!

Bei Bewegung (kinematische Anwendung in schwierigen Empfangslagen) sieht alles wohl andes aus, da wird derzeit im LowCost-Bereich nicht viel, um nicht vorschnell zu sagen - "nix" - ;-) über einen NEO-M8N an einer vernünftigen
Antenne drübergehen....

Aber Zahlen, Bilder u. Diagramme sagen mehr als "gefühlte Mutmassungen", deshalb schauen wir da in den nächsten Tagen nochmals genauer hin.
;-)

Stefan

P.S.
bevor ichs noch vergesse:
u-blox hat vor wenigen Tagen das endültige Datenblatt zum NEO-7P veröffentlicht. (Rev. R04, 14.Nov.14)
http://www.u-blox.de/images/downloads/Product_Docs/NEO-7P_DataSheet_(UBX-13003787).pdf
Da drinnen ist unter Punkt 1.6. nochmals alles Nennenswerte zu PPP kompakt zusammengefasst.
ssquare_de
 
Beiträge: 671
Registriert: 07.10.2006 - 16:23

Re: u-blox NEO-M8N

Beitragvon ssquare_de » 20.11.2014 - 19:47

Hallo,

mir ist das schon seit einigen Wochen aufgefallen: der NEO-7P zaubert zur Zeit.
Sind die EGNOS-Korrekturen besser geworden?
Beruhigt sich das "Space-Weather" im Herbst (Iono, Tropo) oder sind nur die Blätter ab?
:-)
Wobei das ruhige space-weather natürlich allen! GNSS-Empfängern absolut gut tut.
Der NEO-7P würde da aber im Vergleich relativ weniger profitieren, da dessen Genauigkeitsvorteile sich ja aus den besseren Modellierungen von Iono und Tropo ableiten.

Zu den Diagrammen:
ETRS89 : der Punkt ist per SAPOS direkt im ETRS89 bestimmt worden, ist hochgenau ( im 2-3cm-Bereich und taugt so natürlich perfekt als Referenzmarke
WGS84/SBAS : der Punkt beschreibt zum Punkt ETRS89 die Verschiebung durch die Plattentektonik, hochgerechnet auf 2014 ( die berühmten 60-65cm Abweichung in nordöstliche Richtung )

der NEO-7P hat in einer halbstündigen Messung in unserem Garten gerade eben das ausgespuckt:
(harte Nuss für den NEO-M8N, der morgen zur selben Zeit (-4Min.) an gleicher Stelle die Hosen runterlassen muss) :wink:

Ground_Track.JPG
Ground_Track.JPG (99.21 KiB) 12250-mal betrachtet


und hier der Verlauf über die gut 30 min. Messdauer:
Pos_Verlauf.JPG
Pos_Verlauf.JPG (107.33 KiB) 12250-mal betrachtet


Zur Höhenkomponente ist noch anzumerken:
die Antenne war beim Versuch 1,788m über der Referenzhöhe 438,064m montiert, die 1,788m sind also von der blauen Höhenmesswertkurve abzuziehen.
Bin schon auf den Neo-M8N gespannt, wie der sich morgen schlägt.


Stefan
ssquare_de
 
Beiträge: 671
Registriert: 07.10.2006 - 16:23

Re: u-blox NEO-M8N

Beitragvon holgi63 » 21.11.2014 - 14:15

Hallo Stefan, hallo Hagen,

Klasse, was man hier liest! Sobald ich dazu komme, werde ich noch ein wenig dazu beitragen - und ich sehe es kommen: der "Achter" wird wohl mein nächster Einkauf in Sachen Hardware...

Stefan, Du schreibst zum Siebener: " Ich hatte von 2 oder 3 Wochen eine statische Messung mit dem NEO-7P vorliegen, da ist die Position über mehr als eine Stunde nicht aus einem Kreis mit 0,30m Radius rausgewandert! "

Welche Start- bzw. Einschwingzeit ging dem voraus?

Es ist in der Tat so, dass Wintermessungen deutlich besser sind...

LG
Holger

...der ebenfalls gespannt ist...
holgi63
 
Beiträge: 34
Registriert: 10.04.2012 - 18:27

Re: u-blox NEO-M8N

Beitragvon ssquare_de » 21.11.2014 - 17:58

Hallo,


grad eben Messung mit dem NEO-M8N beendet.

Selbe Uhrzeit (Satkonstellation), gleiche Stelle, gleiche Antenne wie gestern mit dem NEO-7P.
Der NEO-M8N nutzte nur die GPS-Signale für die Messung, da halbwegs guter Messort.
Aber durch eine Hauswand in unmittelbarer Nähe doch Multipath möglich.
Witterungsbedingungen vergleichbar mit gestern, aber nachmittags sonnig.
Trotzdem bin ich ein wenig konsterniert, hatte den NEO-M8N an gleicher Stelle schon mit besseren Ergebnissen gesehen.
Sei es darum, dass in halbwegs guten Empfangslagen der NEO-7P seinen Kollegen Feuer unterm Hintern macht, war zu erwarten.

Aber im Leben sieht man sich (wenn auch an anderen Stellen) immer mindestens ein zweites Mal. :wink:

Hier nun die Ergebnisse:
Ground_Track.JPG
Ground_Track.JPG (128.55 KiB) 12208-mal betrachtet

Pos_Verlauf.JPG
Pos_Verlauf.JPG (143.01 KiB) 12208-mal betrachtet



Vielleicht gehts hier morgen schon weiter.


Stefan

P.S.
Servus Holger,

wenn nix dazwischenkommt, oder ich nichts besonders erwähne, lasse ich den Empfängern grundsätzlich mindestens 15 min. Zeit, aktuelle Orbits und SBAS-Korrekturen einzulesen...und natürlich auch der Elektronik (Empfänger u. Antenne) zur Akklimatisierung... :!:
ssquare_de
 
Beiträge: 671
Registriert: 07.10.2006 - 16:23

Re: u-blox NEO-M8N

Beitragvon ssquare_de » 23.11.2014 - 17:36

Hallo,


heute leider nur der Vergleich NEO-7P <---> NEO-M8N.

Auf der Runde von oben, die der NEO-M8N (rot) mit "Schnurführung" absolvierte.
Auch der NEO-7P (grün) hat sich dort heut früh wacker geschlagen.

Schade, dass ich heute irgendwie die 4 "Eckpunkte" "versemmelt" habe.
(Wohl schon zu lange nimmer mit ArcPad gearbeitet, und den Ansatz mit den 2 Referenzpunkten hatte ich noch nie in der Praxis probiert. Naja, JETZT weiss ich, wie das geht...) :wink:

Was geplant war:
mit ArcPad und dem NEO-7P etwas abseits an 2 vergleichsweise guten Empfangslagen (DGPS+PPP) 2 Referenzpunkte bestimmen und von dort die 4 "Eckbäume" per Laserentfernungsmesser so genau wie
möglich "einmessen".

Mach ich aber noch, den die Tracks der beiden Kandidaten schauen zwar schon recht schön relativ schmal und konsistent aus.
Aber nun wollen wir auch noch sehen, wo die absolut liegen.
:-)

Geomapper_Wald.JPG
Geomapper_Wald.JPG (126.79 KiB) 12157-mal betrachtet


Was mir insgesamt sehr ordentlich erscheint:
beide Messungen mit verschiedenen Empfängern wurden mit einigen Tagen Abstand erstellt, zu deutlich verschiedenen Tageszeiten.
Die Empfangsbedingungen an der Stelle sind wirklich nicht einfach...aber die Tracks sehen beide, jeder für sich selbst, besonders aber auch im Vergleich sehr gut aus.
Nadelwald und durch viel Tau heute früh patschnass...

Stefan
ssquare_de
 
Beiträge: 671
Registriert: 07.10.2006 - 16:23

Re: u-blox NEO-M8N

Beitragvon Josef Gerstenberg » 27.11.2014 - 22:15

Lieber Stephan,

wie ich sehe, sind deine beiden Tracks etwa 5 Meter verschoben.
Ich vermute mal, dass weitere Tracks zu einer Verschiebung von bis zu 10 Metern führen.
Dabei ist noch nicht klar, wie die absolute Positionsabweichung tatsächlich ist (Standardabweichung / mittlere absolute Abweichung).

Ich bin noch immer von meiner Theorie überzeugt, dass bei der GPS-Positionsbestimmung im Wald der lokal erzeugte Fehler dominiert.
Und daran kann keine bisherige GPS-Technogie etwas ändern!

Grüße aus dem Berliner Wald,
Josef
Josef Gerstenberg
 
Beiträge: 233
Registriert: 07.09.2009 - 20:00

Re: u-blox NEO-M8N

Beitragvon ssquare_de » 28.11.2014 - 00:44

Hallo Josef,


die genau(er)en Positionen der Eckpunkte werde ich in den nächsten Tagen schon noch beibringen.

Ist grad etwas schwierig für mich, in den schmalen Zeitfenstern optimaler Umgebungshelligkeit vor Ort zu sein.
Die Baumrinden schlucken das Laserlicht verdammt gut, aber ich bin das nächste Mal mit Zieltafeln bestückt unterwegs...
"Zieltafeln"...wie professionell sich das anhört..." ein paar Blätter DIN A4 Normalblatt aus dem Druckermagazin" könnte man auch sagen-... :wink:

Ich wollte hier ja keine Theorien widerrufen oder neue aufstellen - nur schauen, wie sich die aktuellen u-blox-Modelle so schlagen.
Die nochmals auf nun 167dBm gesteigerte Empfindlichkeit der M8-Generation bemerkt man bei den EGNOS-Sats sofort.
Da ist man anscheinend grad so an der Schwelle, ab der man sich deutlich geteigerte EGNOS-Verfügbarkeit versprechen kann.
Dass die Spuren der je 4 Umläufe so schön eng beieinanderliegen, ist mit einiger Sicherheit den Kalman-Filtern zuzusprechen, deren Wirkung
sich ja gerade bei bewegten Empfängern positiv bemerkbar macht.


Stefan

P.S. schön, dass du hier mal wieder vorbeisiehst. :wink:
ssquare_de
 
Beiträge: 671
Registriert: 07.10.2006 - 16:23

Re: u-blox NEO-M8N

Beitragvon Josef Gerstenberg » 28.11.2014 - 21:36

Lieber Stefan,
tatsächliche Positionen im Wald sind selbstverständlich janz fein und im Wald etwas ganz besonderes.
Druckerpapier kann dabei durchaus helfen.
Mach hinne...

Was kann eine gesteigerte Empfindlichkeit und mehr Satelliten im Wald bringen (GPS, Glonass, Beidou, Galileo)?

Der dominierende Fehler bei der GNSS-Positionsbestimmung im Wald ist die lokale Beugung der GNSS-Signale durch den Wald.
Werden mehr Satellitensignale empfangen, wird der Positionsfehler also etwa nach dem WurzelAusZwei-Prinzip verändert.
Doppelt so viel empfangene Satelliten (* 2) führen somit nur zu einem ca. um 1,4 verminderten Positionsfehler.

Mit EGNOS-Daten sieht das anders aus. Egnos übermittelt (hauptsächlich) Daten und die muss man nur sauber empfangen.
Eine höhere Empfindlichkeit eines Empfängers ist hier also von großem Vorteil.
Allerdings ist die Korrektur mittels EGNOS im Wald nicht sehr effektiv, weil der lokale Beugungsfehler überwiegt.
Denn auch hier gilt das statistische Prinzip unabhängiger Fehler:
Gesamtfehler = Wurzel(Fehler1^2 + Fehler2^2...)

Beispiel:
Durch den Wald bewirkter Beugungsfehler der Signal-Strecken = 5 m
Durch EGNOS korrigierbarer Fehler (Bahnen, Ionosphäre usw.) = 2 m
Fehler ohne Egnos = 5,4 m
Fehler mit Egnos = 5 m

Gruß Josef
Josef Gerstenberg
 
Beiträge: 233
Registriert: 07.09.2009 - 20:00

Nächste

Zurück zu GPS-Empfänger

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 6 Gäste